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    <title>Zauberwerk</title>
    <link>https://zauberwerk.writeas.com/</link>
    <description>Alchemie des Fiktionauten</description>
    <pubDate>Sun, 05 Apr 2026 18:54:11 +0000</pubDate>
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      <title>Zauberwerk</title>
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      <title>Rauhnacht und Wunschmaschine</title>
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      <description>&lt;![CDATA[&#xA;&#xA;  “Gewöhnlich aber begeht man in dieser Zeit vier Rauchnächte: am Vorabend von St. Thomas (21. Dez.), Weihnachten, Silvester und Dreikönigen). An diesen Abenden durchräuchert ein Priester oder der Hausherr oder die Hausfrau nach dem Abendläuten alle Räume des Hauses und die Ställe mit geweihten Kräutern oder Weihrauch und besprengt sie mit Weihwasser. Dazu werden Gebete gesprochen, um Hexen und böse Geister zu vertreiben.”&#xA;    Handbuch des Deutschen Aberglaubens. S. 526&#xA;&#xA;So sieht es zumindest die 10-bändige Enzyklopädie von Hanns Bächtold-Stäubli die zwischen 1927 und 1942 erschien. Auf dieses Handbuch berufen sich viele, die heute zu den Rauhnächten publizieren, wenngleich es wohl auch Profunderes und ungleich Kritischeres zum Thema gäbe. Vieles von dem düsteren Dampf, den dieses Werk abgibt, wäre zu vermeiden in der Auseinandersetzung mit dem Aberglauben, war es doch ein Werk das in der Zeit des Nationalsozialismus seinen Ursprung nahm. Doch das ist dem beschwingten Geschreibe über den Wert und die Funktion von Rauhnächten wohl egal.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Wer heute das Internet nach entsprechenden Hinweisen zum Thema durchforstet, wird jenseits aller ethnologischer Erklärungsversuche von einem Wust an Populärliteratur und Postings selbsternannter Lebensbegleiter erschlagen, die die mittlerweile auf 12 Stück angewachsenen Rauhnächte zu allerlei besinnlichen, spiritualistisch, naturreligiös oder christlichen motivierten Feiertagen hochstilisieren. Rauhnächte werden so zu ausbeutbaren Ressourcen für den moderne Wunderglauben am Beginn des 21. Jahrhunderts. Sie sind (um mit Sigmund Freud zu sprechen) weniger sachliche Information (“Fakten”) als vielmehr Ausdruck des eigenen psychischen Apparates, Wunschdenken, wenn man so will:&#xA;&#xA;  &#34;Ich glaube in der Tat, dass ein grosses Stück in der mythologischen Weltauffassung, die weit bis in die modernsten Religionen hineinreicht, nichts anderes ist als in die Aussenwelt projizierte Psychologie.&#34;&#xA;    (Sigmund Freud: Psychopathologie des Alltagslebens, 1904)&#xA;&#xA;Wir zweifeln schon aus diesem Grund an all diesen weihevoll vorgetragenen Ansichten, die als Informationen über eine wie immer geartete und postulierte “andere” Realität daherkommen. Dazu einige Eckpfeiler:&#xA;&#xA;Die Zeit gehe zurück auf altes europäisches Brauchtum, insbesondere auf keltische und germanische Traditionen. Das legitimiere sie jenseits aller wissenschaftlicher Befunde.&#xA;Es handle sich also um besondere Nächte, in denen Hexen und böse Geister ausgetrieben werden sollen, die nunmehr verstärkt auftreten. Jahrhundertelang habe man diesen Brauch betrieben, sie gehen auf einen “Ursprung” zurück.&#xA;Bei den Rauhnächten handle es sich um Gelegenheiten, in denen eine bestimmte “Transformationskraft” wirksam werde, in denen also eine bestimmte Magie herrsche. Diese gelte es zu erkennen und behutsam zu nutzen, um sich spirituell weiterentwickeln zu können.&#xA;Es handle sich dabei um eine “Schwellenzeit”, die zwischen den Jahren wirksam werde. Diese Zeit lasse sich mit der Lücke zwischen dem Mond- und dem Sonnenjahr erklären. Man lasse das Alte zurück und mache sich fit für das Neue.&#xA;Die Zunft der “Lebensbegleiter” oder “Spirituellen Führer” wird nun besonders wichtig. Mittels ritueller Verrichtungen eröffnen sie den willig Gläubigen die Pforten zur Anderen Welt, jenseits der schnöden Alltagsroutine mit ihren bedrohlichen Szenarien.&#xA;Das Räuchern wird zum zentralen Ritual, um den Raum um den Einzelnen von Negativem zu reinigen und Positives vorzubereiten. Nur wenn man selbst positiv sei, könne die Welt positiv werden.&#xA;Rauhnächte gehen sozusagen alle Menschen “guten” Willens an und reichen in ihrer Bedeutung deshalb von der christlichen Besinnung über lebenspraktische Bedeutung spirituell - schamanistische Praktiken bis zur Beschwörung durch moderne Wicca und schamanische Praktiken.&#xA;&#xA;Ob die Zusammenhänge, die diese Rauhnächte konstituieren sollen, der Vernunft und demokratischen Prinzipien tatsächlich standhalten können, bleibe dahingestellt. Das ist auch tatsächlich nicht wichtig. Im Gegenteil: Vernunft wirkt schädlich im Kreis der spirituellen Verzückung und verhindert das Heraufbeschwören des “Geistigen”. Ob die Rauhnächte im Lichte der Wissenschaft überhaupt das sind, was behauptet wird, ist deshalb zweifelhaft. Aber Faktizität spielt ohnehin keine Rolle, wenn nur mehr die Wunschproduktion des Einzelnen nach Erbauung, pseudo-sakralem Ritual und esoterischer Beseeltheit zählt. Da dreht man auch gerne die Bedeutungen um. Nicht mehr das Unbewusste regiert das Bewusstsein, im Gegenteil: mittels Ritual wird auf das Unbewusste Einfluss genommen, es in eine bestimmte Richtung gedrängt. So glauben es die Gläubigen.&#xA;&#xA;Das Neue daran: Man kann das Gefühl und die Erhabenheit, mit den Rauhnächten über den Dingen der Alltagsroutinen zu stehen, tatsächlich käuflich erwerben. Ein Verkaufsprodukt (das “Besinnungspaket”) wird geschnürt, und schon sinkt man gläubig und erleuchtet darnieder in teuren Seminaren, die das Heil verkaufen. Es gibt auch das Sparpaket: ein Set Tarotkarten, Räucherwerk, Kerzensets, und all das andere Zeug, das das Vorhaben unterstützt, ja erst wirksam macht.&#xA;&#xA;Natürlich haben wir an dieser Stelle auch ein wenig Verständnis für die Menschen, die sich willig dem modernen Zauber hinzugeben wünschen: denn sie sind (so wie wir) Gebeutelte der globalen Krise, die uns alle auf unserem kleinen Flecken Zuhause heimgesucht hat: Pandemie, Krieg, Klimakatastrophe und bedrohliche Armut. Sie alle suchen Linderung ihrer Leiden, indem sie sich in sich hineinverkriechen. Doch andrerseits: Wir hätten auch alternative Mittel, um den Bedrohungen zu begegnen, als uns zu beweihräuchern. Politisch aktiv werden, sich kritisch mit den Bedrohungen zu beschäftigen, informieren, aufklären u.v.a.m. Aber wir nutzen das nur selten, kehren dafür lieber in uns ein.&#xA;&#xA;Aberglaube, Volkskunde, Lebenshilfe, Lifestyle, Esoterik? Ein weiter Bogen spannt sich von den entsprechenden Formen volkstümlichen Aberglaubens bis hin zu spiritualistisch motivierten Verklärungen, die auch im aufgeklärten Christentum als “Heilige Zeit” bezeichnet wird. Denn wie immer hat sich das Christentum alter Bräuche und Missbräuche bedient, um ihren Gott über alten Volksglauben überzustülpen und davon zu profitieren. Doch das weiss man ohnehin und es braucht deshalb nicht mehr weiter erörtert zu werden. Mit sehr viel Schadenfreude beobachten wir, dass den christlichen Dokmatikern der katholischen Kirche mit ihrem Glauben das Gegenteil passiert: aus ihrem mühsam erarbeiteten Sakralbestand wird Esoterik, aus der sich die Masse der modernen Ungläubigen bedient, die Lust auf ein wenig Erbauung haben, aber der alten Märchenwelt des Christentums abgeschworen haben und zu neuen Ufern aufgebrochen sind. Pech gehabt, Betbrüder und -schwestern, aber so gehts in der Geschichte zu.&#xA;&#xA;Aber auch der Aberglauben bedient sich immer wieder historischer Muster: der “alte” Aberglaube genauso wie sein moderner Abkömmling, der Spiritualismus. Erst damit schafft man den Sprung zur sogenannten logischen Erklärung, mit der der selbstproduzierte Humbug erklärt und verteidigt wird. Mit dem Verweis auf alte Volksbräuche (die immer schon auch selbst auf andere historische Volksbräuche verwiesen haben) wird die eigene Tradition erst möglich. Irgendetwas wird schon am Beginn der Wunschproduktion stehen. So wird es möglich, sich selbst die notwendige historische (und damit pseudo-wissenschaftliche) Begründung zu geben. Am Anfang dieser langen Kette, die sich im Nebel der Vergangenheit verliert, steht die zusammenschusterte Wahrheit. Dass etwas einstmals geglaubt wurde, berechtigt, daran zu glauben, das dies auch tatsächlich existiere. Halleluja!&#xA;&#xA;Natürlich existiert der Aberglaube, aber wohl immer nur als Erzählung, als Narrativ, als Ausdrucksform für Zeiten, die entweder vergangen oder so wie heute von tiefgreifenden Krisen geprägt werden. Da wo das Christentum im Sterben liegt, kehrt der neue Glaube wieder, der diese, unsere Gesellschaft heilen soll. Die Rauhnächte dienen als Ressource, als Munition in diesem Prozess.]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://i.snap.as/oqMj3jYs.png" alt=""/></p>

<blockquote><p>“Gewöhnlich aber begeht man in dieser Zeit vier Rauchnächte: am Vorabend von St. Thomas (21. Dez.), Weihnachten, Silvester und Dreikönigen). An diesen Abenden durchräuchert ein Priester oder der Hausherr oder die Hausfrau nach dem Abendläuten alle Räume des Hauses und die Ställe mit geweihten Kräutern oder Weihrauch und besprengt sie mit Weihwasser. Dazu werden Gebete gesprochen, um Hexen und böse Geister zu vertreiben.”</p>

<p>Handbuch des Deutschen Aberglaubens. S. 526</p></blockquote>

<p>So sieht es zumindest die 10-bändige Enzyklopädie von Hanns Bächtold-Stäubli die zwischen 1927 und 1942 erschien. Auf dieses Handbuch berufen sich viele, die heute zu den Rauhnächten publizieren, wenngleich es wohl auch Profunderes und ungleich Kritischeres zum Thema gäbe. Vieles von dem düsteren Dampf, den dieses Werk abgibt, wäre zu vermeiden in der Auseinandersetzung mit dem Aberglauben, war es doch ein Werk das in der Zeit des Nationalsozialismus seinen Ursprung nahm. Doch das ist dem beschwingten Geschreibe über den Wert und die Funktion von Rauhnächten wohl egal.</p>



<p>Wer heute das Internet nach entsprechenden Hinweisen zum Thema durchforstet, wird jenseits aller ethnologischer Erklärungsversuche von einem Wust an Populärliteratur und Postings selbsternannter Lebensbegleiter erschlagen, die die mittlerweile auf 12 Stück angewachsenen Rauhnächte zu allerlei besinnlichen, spiritualistisch, naturreligiös oder christlichen motivierten Feiertagen hochstilisieren. Rauhnächte werden so zu ausbeutbaren Ressourcen für den moderne Wunderglauben am Beginn des 21. Jahrhunderts. Sie sind (um mit Sigmund Freud zu sprechen) weniger sachliche Information (“Fakten”) als vielmehr Ausdruck des eigenen psychischen Apparates, Wunschdenken, wenn man so will:</p>

<blockquote><p>“Ich glaube in der Tat, dass ein grosses Stück in der mythologischen Weltauffassung, die weit bis in die modernsten Religionen hineinreicht, nichts anderes ist als in die Aussenwelt projizierte Psychologie.”</p>

<p>(Sigmund Freud: Psychopathologie des Alltagslebens, 1904)</p></blockquote>

<p>Wir zweifeln schon aus diesem Grund an all diesen weihevoll vorgetragenen Ansichten, die als Informationen über eine wie immer geartete und postulierte “andere” Realität daherkommen. Dazu einige Eckpfeiler:</p>
<ul><li>Die Zeit gehe zurück auf altes europäisches Brauchtum, insbesondere auf keltische und germanische Traditionen. Das legitimiere sie jenseits aller wissenschaftlicher Befunde.</li>
<li>Es handle sich also um besondere Nächte, in denen Hexen und böse Geister ausgetrieben werden sollen, die nunmehr verstärkt auftreten. Jahrhundertelang habe man diesen Brauch betrieben, sie gehen auf einen “Ursprung” zurück.</li>
<li>Bei den Rauhnächten handle es sich um Gelegenheiten, in denen eine bestimmte “Transformationskraft” wirksam werde, in denen also eine bestimmte Magie herrsche. Diese gelte es zu erkennen und behutsam zu nutzen, um sich spirituell weiterentwickeln zu können.</li>
<li>Es handle sich dabei um eine “Schwellenzeit”, die zwischen den Jahren wirksam werde. Diese Zeit lasse sich mit der Lücke zwischen dem Mond- und dem Sonnenjahr erklären. Man lasse das Alte zurück und mache sich fit für das Neue.</li>
<li>Die Zunft der “Lebensbegleiter” oder “Spirituellen Führer” wird nun besonders wichtig. Mittels ritueller Verrichtungen eröffnen sie den willig Gläubigen die Pforten zur Anderen Welt, jenseits der schnöden Alltagsroutine mit ihren bedrohlichen Szenarien.</li>
<li>Das Räuchern wird zum zentralen Ritual, um den Raum um den Einzelnen von Negativem zu reinigen und Positives vorzubereiten. Nur wenn man selbst positiv sei, könne die Welt positiv werden.</li>
<li>Rauhnächte gehen sozusagen alle Menschen “guten” Willens an und reichen in ihrer Bedeutung deshalb von der christlichen Besinnung über lebenspraktische Bedeutung spirituell – schamanistische Praktiken bis zur Beschwörung durch moderne Wicca und schamanische Praktiken.</li></ul>

<p>Ob die Zusammenhänge, die diese Rauhnächte konstituieren sollen, der Vernunft und demokratischen Prinzipien tatsächlich standhalten können, bleibe dahingestellt. Das ist auch tatsächlich nicht wichtig. Im Gegenteil: Vernunft wirkt schädlich im Kreis der spirituellen Verzückung und verhindert das Heraufbeschwören des “Geistigen”. Ob die Rauhnächte im Lichte der Wissenschaft überhaupt das sind, was behauptet wird, ist deshalb zweifelhaft. Aber Faktizität spielt ohnehin keine Rolle, wenn nur mehr die Wunschproduktion des Einzelnen nach Erbauung, pseudo-sakralem Ritual und esoterischer Beseeltheit zählt. Da dreht man auch gerne die Bedeutungen um. Nicht mehr das Unbewusste regiert das Bewusstsein, im Gegenteil: mittels Ritual wird auf das Unbewusste Einfluss genommen, es in eine bestimmte Richtung gedrängt. So glauben es die Gläubigen.</p>

<p>Das Neue daran: Man kann das Gefühl und die Erhabenheit, mit den Rauhnächten über den Dingen der Alltagsroutinen zu stehen, tatsächlich käuflich erwerben. Ein Verkaufsprodukt (das “Besinnungspaket”) wird geschnürt, und schon sinkt man gläubig und erleuchtet darnieder in teuren Seminaren, die das Heil verkaufen. Es gibt auch das Sparpaket: ein Set Tarotkarten, Räucherwerk, Kerzensets, und all das andere Zeug, das das Vorhaben unterstützt, ja erst wirksam macht.</p>

<p>Natürlich haben wir an dieser Stelle auch ein wenig Verständnis für die Menschen, die sich willig dem modernen Zauber hinzugeben wünschen: denn sie sind (so wie wir) Gebeutelte der globalen Krise, die uns alle auf unserem kleinen Flecken Zuhause heimgesucht hat: Pandemie, Krieg, Klimakatastrophe und bedrohliche Armut. Sie alle suchen Linderung ihrer Leiden, indem sie sich in sich hineinverkriechen. Doch andrerseits: Wir hätten auch alternative Mittel, um den Bedrohungen zu begegnen, als uns zu beweihräuchern. Politisch aktiv werden, sich kritisch mit den Bedrohungen zu beschäftigen, informieren, aufklären u.v.a.m. Aber wir nutzen das nur selten, kehren dafür lieber in uns ein.</p>

<p>Aberglaube, Volkskunde, Lebenshilfe, Lifestyle, Esoterik? Ein weiter Bogen spannt sich von den entsprechenden Formen volkstümlichen Aberglaubens bis hin zu spiritualistisch motivierten Verklärungen, die auch im aufgeklärten Christentum als “Heilige Zeit” bezeichnet wird. Denn wie immer hat sich das Christentum alter Bräuche und Missbräuche bedient, um ihren Gott über alten Volksglauben überzustülpen und davon zu profitieren. Doch das weiss man ohnehin und es braucht deshalb nicht mehr weiter erörtert zu werden. Mit sehr viel Schadenfreude beobachten wir, dass den christlichen Dokmatikern der katholischen Kirche mit ihrem Glauben das Gegenteil passiert: aus ihrem mühsam erarbeiteten Sakralbestand wird Esoterik, aus der sich die Masse der modernen Ungläubigen bedient, die Lust auf ein wenig Erbauung haben, aber der alten Märchenwelt des Christentums abgeschworen haben und zu neuen Ufern aufgebrochen sind. Pech gehabt, Betbrüder und -schwestern, aber so gehts in der Geschichte zu.</p>

<p>Aber auch der Aberglauben bedient sich immer wieder historischer Muster: der “alte” Aberglaube genauso wie sein moderner Abkömmling, der Spiritualismus. Erst damit schafft man den Sprung zur sogenannten logischen Erklärung, mit der der selbstproduzierte Humbug erklärt und verteidigt wird. Mit dem Verweis auf alte Volksbräuche (die immer schon auch selbst auf andere historische Volksbräuche verwiesen haben) wird die eigene Tradition erst möglich. Irgendetwas wird schon am Beginn der Wunschproduktion stehen. So wird es möglich, sich selbst die notwendige historische (und damit pseudo-wissenschaftliche) Begründung zu geben. Am Anfang dieser langen Kette, die sich im Nebel der Vergangenheit verliert, steht die zusammenschusterte Wahrheit. Dass etwas einstmals geglaubt wurde, berechtigt, daran zu glauben, das dies auch tatsächlich existiere. Halleluja!</p>

<p>Natürlich existiert der Aberglaube, aber wohl immer nur als Erzählung, als Narrativ, als Ausdrucksform für Zeiten, die entweder vergangen oder so wie heute von tiefgreifenden Krisen geprägt werden. Da wo das Christentum im Sterben liegt, kehrt der neue Glaube wieder, der diese, unsere Gesellschaft heilen soll. Die Rauhnächte dienen als Ressource, als Munition in diesem Prozess.</p>
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      <pubDate>Mon, 27 Nov 2023 14:17:59 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>084 Antike Tinkenkaskade</title>
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      <description>&lt;![CDATA[Die Antike Tintenkaskade gehört zu den Schreiberlingen, einer Pilzfamilie, aus denen in prädigitaler Zeit Schreibflüssigkeiten destilliert wurden. Die daraus gewonnene sgn. &#34;Tinte&#34; wurden mit dünnen Stiften auf bestimmten, speziell dafür aufbereiteten, sehr hellen Flächen aufgetragen.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Die damit erzeugten analogen sehr dünnen analogen Informationsflächen verwendete man vorrangig zur Informationsweitergabe. Die Antike Tintenkaskade ist mit dem -  Giftblauen Tintenköpfling verwandt, wiewohl sich das Aussehen der beiden Pilze recht deutlich von einander unterscheidet.&#xA;&#xA;Der Pilz wächst meist auf mit Schwefel und Blei getränktem Untergrund, meist in Gruppen bis zu 10 Exemplaren. Seine Gestalt ist sowohl in der Farbgebung, aber auch der Form recht auffällig: er strebt gerade aus dem verunreinigten Boden und endet in einer peitschenförmigen Lanze mit grossen Fruchtständen, die bei manchen Exemplaren zu Schlingenformen geschlossen sind. Er erreicht sein erwachsenes Stadium, wenn sich an seinen Fruchtständen dunkelblaue Kapseln zu bilden beginnen. Dann ist er erntereif. Vor dem Verzehr wird gewarnt, wiewohl die Fruchtstände einst zu beliebten Genussmitteln der ersten Earthseed Generation im Weltall zählte. Todesfälle nach dem Übergenuss von rohen Kapseln sind allerdings nicht bekannt.&#xA;&#xA;In die Geschichte der Earthseed Saga ging die Antike Tintenkaskade ein, als der später als Weltraumvagabund bekannte Odo Cornus seine transzendenten Erlebnisse mithilfe von Tinte und Schreibstift festhielt und so seine Begegnung mit-  Allaine vor der AI der Emanation zu verbergen suchte. Das aus den dünnen Schreiboberflächen geformte Bündel (auch &#34;Buch&#34; genannt) wurde in seiner Hinterlassenschaft gefunden und später als Heldenepos unter dem Namen: &#34;Unter der Kaskade von Earthseed&#34; verbreitet.&#xA;&#xA;#Mykorhizom #Fungi&#xA;&#xA;]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Antike Tintenkaskade gehört zu den Schreiberlingen, einer Pilzfamilie, aus denen in prädigitaler Zeit Schreibflüssigkeiten destilliert wurden. Die daraus gewonnene sgn. “Tinte” wurden mit dünnen Stiften auf bestimmten, speziell dafür aufbereiteten, sehr hellen Flächen aufgetragen.</p>



<p>Die damit erzeugten analogen sehr dünnen analogen Informationsflächen verwendete man vorrangig zur Informationsweitergabe. Die Antike Tintenkaskade ist mit dem –&gt;Giftblauen Tintenköpfling verwandt, wiewohl sich das Aussehen der beiden Pilze recht deutlich von einander unterscheidet.</p>

<p>Der Pilz wächst meist auf mit Schwefel und Blei getränktem Untergrund, meist in Gruppen bis zu 10 Exemplaren. Seine Gestalt ist sowohl in der Farbgebung, aber auch der Form recht auffällig: er strebt gerade aus dem verunreinigten Boden und endet in einer peitschenförmigen Lanze mit grossen Fruchtständen, die bei manchen Exemplaren zu Schlingenformen geschlossen sind. Er erreicht sein erwachsenes Stadium, wenn sich an seinen Fruchtständen dunkelblaue Kapseln zu bilden beginnen. Dann ist er erntereif. Vor dem Verzehr wird gewarnt, wiewohl die Fruchtstände einst zu beliebten Genussmitteln der ersten Earthseed Generation im Weltall zählte. Todesfälle nach dem Übergenuss von rohen Kapseln sind allerdings nicht bekannt.</p>

<p>In die Geschichte der Earthseed Saga ging die Antike Tintenkaskade ein, als der später als Weltraumvagabund bekannte Odo Cornus seine transzendenten Erlebnisse mithilfe von Tinte und Schreibstift festhielt und so seine Begegnung mit-&gt;Allaine vor der AI der Emanation zu verbergen suchte. Das aus den dünnen Schreiboberflächen geformte Bündel (auch “Buch” genannt) wurde in seiner Hinterlassenschaft gefunden und später als Heldenepos unter dem Namen: “Unter der Kaskade von Earthseed” verbreitet.</p>

<p><a href="https://write.as/zauberwerk/tag:Mykorhizom"><a href="https://zauberwerk.writeas.com/tag:Mykorhizom" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Mykorhizom</span></a></a> <a href="https://write.as/zauberwerk/tag:Fungi"><a href="https://zauberwerk.writeas.com/tag:Fungi" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Fungi</span></a></a></p>

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      <guid>https://zauberwerk.writeas.com/084-antike-tinkenkaskade</guid>
      <pubDate>Wed, 18 Jan 2023 20:00:41 +0000</pubDate>
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      <title>085 Bewimperte Blutsphäre</title>
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      <description>&lt;![CDATA[Gehört zur Gruppe der noch wenig erforschten Tontröten. Wird als handtellergrosse, rötlich leuchtende Sphäre beschrieben, die mit ihrer porösen Basaltunterlage eine Symbiose zu beiderseitigem Nutzen eingeht. Effekte als Bodenverdichter konnten beschrieben werden. &#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Die meist als Zwillinge vorkommenden Sphären besitzen einen hellen Rand, der mit feinen Gesangshärchen bewimpert ist. Sie zeichnen sich durch eine erdige, schleimig-klebrige Oberfläche aus, die bei Berührung deutlich vernehmbare Töne von sich gibt. Die Tonfolge ist atonal.&#xA;&#xA;Wurde vom Raumpiloten T. Nomasky im Rahmen einer seiner Forschungsreisen in Alpha Centauri entdeckt, als er einen Laserstrahl auf die Zweige eines -  Burschstreifen lenkte. Mittlerweile wurden auch andere Pflanzen identifiziert, die einen derartigen Zeugungsvorgang unterstützen können, etwa den -  Flatterkletterer oder die -  Apokalypsenschleuder. Der dabei entstehende Hybrid aus Pflanze und elektromagnetischer Energie ist selbst nicht fortpflanzungsfähig und muss im Bedarfsfall künstlich induziert werden. Eine Lebensdauer von etwa 240 Jahren wird angenommen. Bislang konnte bei den Bewimperten Blutsphären kein Stoffwechsel nachgewiesen werden, allerdings zeigte der Astrobiologe Aleks Sajdar in einer aufwendigen Versuchsreihe auf dem Planeten OLA , dass zu ihrem Überleben das Vorhandensein hochenergetischer Lichtquellen Voraussetzung ist, wie sie etwa auf Roten Zwergen beobachtet werden können.&#xA;&#xA;Wegen seiner atypischen Erscheinungsform hat sich der Pilz als Ritualobjekt schamano-galaktischer Verehrung unter dem Namen Wimperntrommel etabliert. Dabei werden in einem sich über mehrere Erdentage erstreckenden Ritual die Datenstäbe von dafür geweihten  Priestern verwendet und so die Pilze in die Welt gesetzt. Dabei werden die Töne der Pilze durch die begleitende Ritualgemeinschaft gesanglich begleitet.&#xA;&#xA;Versuche, den Pilz in grossen Industrieanlagen künstlich anzupflanzen, um ihre Tonalität für die Bespielung einzelner Himmelssphären nutzbar zu machen, scheiterten bislang jedoch regelmässig. Es wird deshalb vermutet, dass sich der Zufallscharakter des Pilzes wissenschaftlichen Feldstudien mit Absicht widersetzt.&#xA;&#xA;Bild: Zwei bewimperte Blutsphären.&#xA;&#xA;#Mykorhizom #Fungi]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Gehört zur Gruppe der noch wenig erforschten Tontröten. Wird als handtellergrosse, rötlich leuchtende Sphäre beschrieben, die mit ihrer porösen Basaltunterlage eine Symbiose zu beiderseitigem Nutzen eingeht. Effekte als Bodenverdichter konnten beschrieben werden.</p>



<p>Die meist als Zwillinge vorkommenden Sphären besitzen einen hellen Rand, der mit feinen Gesangshärchen bewimpert ist. Sie zeichnen sich durch eine erdige, schleimig-klebrige Oberfläche aus, die bei Berührung deutlich vernehmbare Töne von sich gibt. Die Tonfolge ist atonal.</p>

<p>Wurde vom Raumpiloten T. Nomasky im Rahmen einer seiner Forschungsreisen in Alpha Centauri entdeckt, als er einen Laserstrahl auf die Zweige eines –&gt; Burschstreifen lenkte. Mittlerweile wurden auch andere Pflanzen identifiziert, die einen derartigen Zeugungsvorgang unterstützen können, etwa den –&gt;Flatterkletterer oder die –&gt;Apokalypsenschleuder. Der dabei entstehende Hybrid aus Pflanze und elektromagnetischer Energie ist selbst nicht fortpflanzungsfähig und muss im Bedarfsfall künstlich induziert werden. Eine Lebensdauer von etwa 240 Jahren wird angenommen. Bislang konnte bei den Bewimperten Blutsphären kein Stoffwechsel nachgewiesen werden, allerdings zeigte der Astrobiologe Aleks Sajdar in einer aufwendigen Versuchsreihe auf dem Planeten OLA , dass zu ihrem Überleben das Vorhandensein hochenergetischer Lichtquellen Voraussetzung ist, wie sie etwa auf Roten Zwergen beobachtet werden können.</p>

<p>Wegen seiner atypischen Erscheinungsform hat sich der Pilz als Ritualobjekt schamano-galaktischer Verehrung unter dem Namen Wimperntrommel etabliert. Dabei werden in einem sich über mehrere Erdentage erstreckenden Ritual die Datenstäbe von dafür geweihten  Priestern verwendet und so die Pilze in die Welt gesetzt. Dabei werden die Töne der Pilze durch die begleitende Ritualgemeinschaft gesanglich begleitet.</p>

<p>Versuche, den Pilz in grossen Industrieanlagen künstlich anzupflanzen, um ihre Tonalität für die Bespielung einzelner Himmelssphären nutzbar zu machen, scheiterten bislang jedoch regelmässig. Es wird deshalb vermutet, dass sich der Zufallscharakter des Pilzes wissenschaftlichen Feldstudien mit Absicht widersetzt.</p>

<p><img src="https://i.snap.as/U08hrVFl.jpg" alt=""/></p>

<p>Bild: Zwei bewimperte Blutsphären.</p>

<p><a href="https://write.as/zauberwerk/tag:Mykorhizom"><a href="https://zauberwerk.writeas.com/tag:Mykorhizom" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Mykorhizom</span></a></a> <a href="https://write.as/zauberwerk/tag:Fungi"><a href="https://zauberwerk.writeas.com/tag:Fungi" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Fungi</span></a></a></p>
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      <guid>https://zauberwerk.writeas.com/085-bewimperte-blutsphare</guid>
      <pubDate>Sat, 07 Jan 2023 11:48:34 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>986 Gelbstäbiger Auftaucher.</title>
      <link>https://zauberwerk.writeas.com/086-gelbstabiger-auftaucher?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[Gehört zur Familie der Wanderpilze. Erscheint als trompetenfärmiger, etwa fingergrosser Stab für wenige Minuten am Tag an der Erdoberfläche. Bodenbrecher mit riesigem Wurzelkörper, der sich über weite Wiesenlandschaften mit hohem Giftgehalt verbreitet. Meist in Familien von 10 bis 15 knallgelben Exemplaren vorkommend. Zieht sich bei kleinsten Erschütterungen oder bei Aufkommen von Wind wieder in den Untergrund zurück.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Wird auf dem Planeten Erde zur biologischen Reinigung vergifteter Altlagerstätten und uranhaltiger Depots verwendet, wo er laut Aussagen der Umweltbehörden für die Entgiftung von grossen Substraten zuständig ist. Seine behauptete Wirksamkeit wird neuerdings von nichtstaatlicher Seite und unabhängigen Wissenschafter:innen angezweifelt: den Behörden wird in diesem Zusammenhang umfangreiches Gelbwashing vorgeworfen. Langzeitstudien liegen bis dato nicht vor. Verwendung finden die Sporen des Gelbstäbigen Auftauchers auch in der Homöopathie: wegen des dabei angewandten sehr  hohen Verdünnungsstandards wird es allerdings nur im medikamentösen Luxussegment verkauft.&#xA;&#xA;Das Vorkommen des Pilzes ist auf die Erde beschränkt. Man vermutet, dass seine Entstehung auf eine zufällige Fusion unterschiedlicher Bananensorten zurückzuführen ist und durch die Lüftungsanlagen einer Handelskette in die Natur entwichen ist. Die Firma bestreitet den Vorfall auf das Entschiedenste. Eine mögliche Übertragung in den Weltraum wird von der behördlichen Raumüberwachung ausgeschlossen. Gründe, die diese Annahme unterstützen, werden offiziell nicht genannt. Sie unterlägen dem Datenschutz.&#xA;&#xA;#Mykorhizom #Fungi]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Gehört zur Familie der Wanderpilze. Erscheint als trompetenfärmiger, etwa fingergrosser Stab für wenige Minuten am Tag an der Erdoberfläche. Bodenbrecher mit riesigem Wurzelkörper, der sich über weite Wiesenlandschaften mit hohem Giftgehalt verbreitet. Meist in Familien von 10 bis 15 knallgelben Exemplaren vorkommend. Zieht sich bei kleinsten Erschütterungen oder bei Aufkommen von Wind wieder in den Untergrund zurück.</p>



<p>Wird auf dem Planeten Erde zur biologischen Reinigung vergifteter Altlagerstätten und uranhaltiger Depots verwendet, wo er laut Aussagen der Umweltbehörden für die Entgiftung von grossen Substraten zuständig ist. Seine behauptete Wirksamkeit wird neuerdings von nichtstaatlicher Seite und unabhängigen Wissenschafter:innen angezweifelt: den Behörden wird in diesem Zusammenhang umfangreiches Gelbwashing vorgeworfen. Langzeitstudien liegen bis dato nicht vor. Verwendung finden die Sporen des Gelbstäbigen Auftauchers auch in der Homöopathie: wegen des dabei angewandten sehr  hohen Verdünnungsstandards wird es allerdings nur im medikamentösen Luxussegment verkauft.</p>

<p>Das Vorkommen des Pilzes ist auf die Erde beschränkt. Man vermutet, dass seine Entstehung auf eine zufällige Fusion unterschiedlicher Bananensorten zurückzuführen ist und durch die Lüftungsanlagen einer Handelskette in die Natur entwichen ist. Die Firma bestreitet den Vorfall auf das Entschiedenste. Eine mögliche Übertragung in den Weltraum wird von der behördlichen Raumüberwachung ausgeschlossen. Gründe, die diese Annahme unterstützen, werden offiziell nicht genannt. Sie unterlägen dem Datenschutz.</p>

<p><a href="https://write.as/zauberwerk/tag:Mykorhizom"><a href="https://zauberwerk.writeas.com/tag:Mykorhizom" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Mykorhizom</span></a></a> <a href="https://write.as/zauberwerk/tag:Fungi"><a href="https://zauberwerk.writeas.com/tag:Fungi" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Fungi</span></a></a></p>
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      <pubDate>Tue, 03 Jan 2023 18:02:13 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>987 Vermessene Knollengabe</title>
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      <description>&lt;![CDATA[Name: Vermessene Knollengabe.&#xA;&#xA;Gehört zur Familie der Wächterpilze. Etwa handgrosser Sporenspender in Beutelform. Steinkleber. Meist in Familien von schwarzen, dunkelblauen bis grünen Exemplaren wachsend, nimmt er oft grosse Flächen ein. Benötigt sandige, von Gewässerläufen aufgeschwemmte, Silikat haltige Gelbgründe. Wachstum in Umgebungstemperaturen zwischen minus 180 bis plus 360 Grad Celsius beobachtet. Hoch strahlungsresistent.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Die Sporengabe ist verheerend: bei Aufplatzen der kleinen, lederfasrigen Beutel können die Sporen bis zu mehrere hundert Meter vertragen werden. Verströmen einen penetranten, an Bittermandeln erinnernden Geruch, welcher die umgebende Tierwelt alarmiert. Auch für Hominide gut wahrnehmbar. Die einatmeten Sporen sind hochtoxisch! Schon kleinste Dosen führen zu Erbrechen, Gliederstarre und Herzstillstand.&#xA;&#xA;Von Hominiden oft für die Erzeugung von hochwîrksamen Giften verwendet, insbesondere als Jagdgift, das nach Endampfen des ungeöffneten Beutels zu einer klebrigen Paste verarbeitet wird. Verwendung in Tierfallen oder als Pfeilgift. Das damit in Kontakt gebrachte Lebewesen verendet innerhalb weniger Minuten.&#xA;&#xA;Nachweis: Erstmals von einer Gruppe von Astrobiologen der Erde auf dem Planeten Cr24S im Sonnensystem der Targeten entdeckt, jedoch in weiterer Folge endemische Verbreitung im Sonnensystem und auf Alpha Centauri, meist durch Verschleppung gelandeter Raumschiffe.&#xA;&#xA;#Mykorhizom #Fungi]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Name: Vermessene Knollengabe.</strong></p>

<p>Gehört zur Familie der Wächterpilze. Etwa handgrosser Sporenspender in Beutelform. Steinkleber. Meist in Familien von schwarzen, dunkelblauen bis grünen Exemplaren wachsend, nimmt er oft grosse Flächen ein. Benötigt sandige, von Gewässerläufen aufgeschwemmte, Silikat haltige Gelbgründe. Wachstum in Umgebungstemperaturen zwischen minus 180 bis plus 360 Grad Celsius beobachtet. Hoch strahlungsresistent.</p>



<p>Die Sporengabe ist verheerend: bei Aufplatzen der kleinen, lederfasrigen Beutel können die Sporen bis zu mehrere hundert Meter vertragen werden. Verströmen einen penetranten, an Bittermandeln erinnernden Geruch, welcher die umgebende Tierwelt alarmiert. Auch für Hominide gut wahrnehmbar. Die einatmeten Sporen sind hochtoxisch! Schon kleinste Dosen führen zu Erbrechen, Gliederstarre und Herzstillstand.</p>

<p>Von Hominiden oft für die Erzeugung von hochwîrksamen Giften verwendet, insbesondere als Jagdgift, das nach Endampfen des ungeöffneten Beutels zu einer klebrigen Paste verarbeitet wird. Verwendung in Tierfallen oder als Pfeilgift. Das damit in Kontakt gebrachte Lebewesen verendet innerhalb weniger Minuten.</p>

<p>Nachweis: Erstmals von einer Gruppe von Astrobiologen der Erde auf dem Planeten Cr24S im Sonnensystem der Targeten entdeckt, jedoch in weiterer Folge endemische Verbreitung im Sonnensystem und auf Alpha Centauri, meist durch Verschleppung gelandeter Raumschiffe.</p>

<p><a href="https://zauberwerk.writeas.com/tag:Mykorhizom" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Mykorhizom</span></a> <a href="https://zauberwerk.writeas.com/tag:Fungi" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Fungi</span></a></p>
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      <guid>https://zauberwerk.writeas.com/987-vermessene-knollengabe</guid>
      <pubDate>Mon, 02 Jan 2023 15:23:46 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>988 Mykorhizom. Ein Projekt.</title>
      <link>https://zauberwerk.writeas.com/mykorhizom?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[Ich musste mich erst in einem Lexikon vergewissern: Als Mykorrhiza wird eine Form der Symbiose von Pilzen und Pflanzen bezeichnet, bei der ein Pilz mit dem Feinwurzelsystem einer Pflanze in Kontakt steht. So liefern die Mykorrhizapilze liefern der Pflanze Salze wie Phosphat und Nitrat sowie Wasser und erhalten ihrerseits einen Teil der durch die Photosynthese der (grünen) Pflanzen erzeugten Assimilate.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Unter dieser Bezeichnung entstehen auf einem Blatt Papier in der Grösse 70 mal l00 cm eine Reihe von Zeichnungen, mit denen in einer Art endlosen Schleife Entitäten aus dem Reich der Phantasie zusammengefügt werden. Ein gezeichnetes Phantasieland entsteht, welches durch erzählerische Elemente ergänzt wird. Die Geschichten entwickeln sich durch das zeichnerische Tun. Ich nenne mein Werk Mykorhizom, weil es Pflanzen und Pilze in einer einheitlichen, eng in seinen Elementen verbundenen Welt darstellt.&#xA;&#xA;Geboren wird dieses Tun aus der Idee, ein Netzwerk von wundersamen Welten zu schaffen, in welcher sich Realität und Fantasie begegnen. Luft, Wasser, Boden, Steine, Pflanzen und Pilze treffen aufeinander, um sich gegenseitig in ihrem Werden zu unterstützen: Farbe an Farbe, Form an Form, Strich an Strich, detailliert, in kleinen Landschaften, die sich letztendlich zu einer magischen Landschaft zusammenfügen. Ein Bild entsteht. So als würde ein Magier seine Pflanzensammlung, seine Kräuter und Pilze, sein Räucherwerk und seine Erden in einer Sammlung auf einem Tisch zusammenstellen. Dieses detaillierte Bild würde letztlich der Anschauung und dem Unterricht seiner Jünger dienen. Eine andere Art von Herbarium soll es werden, plan auf eine zweidimensionale Fläche gezeichnet, ohne die Dinge des Lebens dafür töten zu müssen durch den routinisierten Prozess des Welkens. Beschwörend wirkt dabei die Konzentration des Zeichners, sein repetitives Tun, die Einstimmigkeit der Farben und die Unmässigkeit des Formats.&#xA;&#xA;Geweiht wird das künstlerische Wirken durch die Gemeinsamkeit mit anderen Menschen, die in einem Zeitraum von zwei Tagen ihre jeweiligen Vorhaben beginnen, jeder das seine, so wie ich mein Mykorhizom. Gemeinsamkeit heisst, gemeinsam musizieren, gemeinsam einem ritualisierten Ablauf folgen, die jeweilige Arbeit wertzuschätzen, sich auszutauschen, dem Produkt sein Leben einzuhauchen. Das Blatt mit dem Namen &#34;Mykorhizom&#34; ist jedoch nicht an einem Wochenende fertigzustellen: es benötigt Ausdauer, Zähigkeit, Einsamkeit, Meditation und Reflexion. Viel mehr als ein Jahr braucht es, bis es seine endgültige Gestalt annimmt, bis die Wesen der Natur versammelt sind in einem Vokabular der Phantasie. Aus inneren Bildern entstehen Zeichnungen, aus ihnen Texte, aus ihnen Lebendigkeit, die sich letztendlich zu einer Erzählung zusammenfügt.&#xA;&#xA;Ja, es ist Zeichen- UND Schreibarbeit, die mich vereinnahmen. Aus der Ruhe und Tiefe der Rauhnächte nimmt Neues seinen Anfang. Eine eine Art selbständiges Genre entsteht, die Erzählte Illustration. Anders als bei der Illustration einer Geschichte entsteht durch den Akt des (repetitiven) Zeichnens eine Vorstellungswelt, die aus dem Gezeichneten erzählerische Gestaltung hervorbringt. Man könnt auch Zahlen einarbeiten, mit Hinweisen zu den Texten, die als Legende die Zeichnung begleiten. Kompliziere ich damit das Vorhaben? Werden Text und Zeichnung ein interessantes Ganzes?  Das werden wir erst sehen.&#xA;&#xA;Mehr Hinweise auf den Prozess werde ich ab heute auf Mastodon veröffentlichen. Es soll ein Lexikon entstehen, welches die Elemente der Zeichnung beschreibt.&#xA;&#xA;#Mykorhizom #Fungi]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ich musste mich erst in einem Lexikon vergewissern: Als Mykorrhiza wird eine Form der Symbiose von Pilzen und Pflanzen bezeichnet, bei der ein Pilz mit dem Feinwurzelsystem einer Pflanze in Kontakt steht. So liefern die Mykorrhizapilze liefern der Pflanze Salze wie Phosphat und Nitrat sowie Wasser und erhalten ihrerseits einen Teil der durch die Photosynthese der (grünen) Pflanzen erzeugten Assimilate.</p>



<p>Unter dieser Bezeichnung entstehen auf einem Blatt Papier in der Grösse 70 mal l00 cm eine Reihe von Zeichnungen, mit denen in einer Art endlosen Schleife Entitäten aus dem Reich der Phantasie zusammengefügt werden. Ein gezeichnetes Phantasieland entsteht, welches durch erzählerische Elemente ergänzt wird. Die Geschichten entwickeln sich durch das zeichnerische Tun. Ich nenne mein Werk Mykorhizom, weil es Pflanzen und Pilze in einer einheitlichen, eng in seinen Elementen verbundenen Welt darstellt.</p>

<p>Geboren wird dieses Tun aus der Idee, ein Netzwerk von wundersamen Welten zu schaffen, in welcher sich Realität und Fantasie begegnen. Luft, Wasser, Boden, Steine, Pflanzen und Pilze treffen aufeinander, um sich gegenseitig in ihrem Werden zu unterstützen: Farbe an Farbe, Form an Form, Strich an Strich, detailliert, in kleinen Landschaften, die sich letztendlich zu einer magischen Landschaft zusammenfügen. Ein Bild entsteht. So als würde ein Magier seine Pflanzensammlung, seine Kräuter und Pilze, sein Räucherwerk und seine Erden in einer Sammlung auf einem Tisch zusammenstellen. Dieses detaillierte Bild würde letztlich der Anschauung und dem Unterricht seiner Jünger dienen. Eine andere Art von Herbarium soll es werden, plan auf eine zweidimensionale Fläche gezeichnet, ohne die Dinge des Lebens dafür töten zu müssen durch den routinisierten Prozess des Welkens. Beschwörend wirkt dabei die Konzentration des Zeichners, sein repetitives Tun, die Einstimmigkeit der Farben und die Unmässigkeit des Formats.</p>

<p>Geweiht wird das künstlerische Wirken durch die Gemeinsamkeit mit anderen Menschen, die in einem Zeitraum von zwei Tagen ihre jeweiligen Vorhaben beginnen, jeder das seine, so wie ich mein Mykorhizom. Gemeinsamkeit heisst, gemeinsam musizieren, gemeinsam einem ritualisierten Ablauf folgen, die jeweilige Arbeit wertzuschätzen, sich auszutauschen, dem Produkt sein Leben einzuhauchen. Das Blatt mit dem Namen “Mykorhizom” ist jedoch nicht an einem Wochenende fertigzustellen: es benötigt Ausdauer, Zähigkeit, Einsamkeit, Meditation und Reflexion. Viel mehr als ein Jahr braucht es, bis es seine endgültige Gestalt annimmt, bis die Wesen der Natur versammelt sind in einem Vokabular der Phantasie. Aus inneren Bildern entstehen Zeichnungen, aus ihnen Texte, aus ihnen Lebendigkeit, die sich letztendlich zu einer Erzählung zusammenfügt.</p>

<p>Ja, es ist Zeichen- UND Schreibarbeit, die mich vereinnahmen. Aus der Ruhe und Tiefe der Rauhnächte nimmt Neues seinen Anfang. Eine eine Art selbständiges Genre entsteht, die Erzählte Illustration. Anders als bei der Illustration einer Geschichte entsteht durch den Akt des (repetitiven) Zeichnens eine Vorstellungswelt, die aus dem Gezeichneten erzählerische Gestaltung hervorbringt. Man könnt auch Zahlen einarbeiten, mit Hinweisen zu den Texten, die als Legende die Zeichnung begleiten. Kompliziere ich damit das Vorhaben? Werden Text und Zeichnung ein interessantes Ganzes?  Das werden wir erst sehen.</p>

<p>Mehr Hinweise auf den Prozess werde ich ab heute auf Mastodon veröffentlichen. Es soll ein Lexikon entstehen, welches die Elemente der Zeichnung beschreibt.</p>

<p><a href="https://zauberwerk.writeas.com/tag:Mykorhizom" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Mykorhizom</span></a> <a href="https://zauberwerk.writeas.com/tag:Fungi" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Fungi</span></a></p>
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      <guid>https://zauberwerk.writeas.com/mykorhizom</guid>
      <pubDate>Mon, 02 Jan 2023 07:38:43 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>989 Total Eclipse of the Sun</title>
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      <description>&lt;![CDATA[Anlässlich der heutigen partiellen Sonnenfinsternis die Erinnerung an eine totale: Liedtext des gleichnamigen Songs der Einstürzenden Neubauten aus dem Jahr 2000.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;  Total Eclipse of the Sun&#xA;    The beauty, tender glow extinguished&#xA;  The sky dull from a breeze&#xA;  Ghostly the dawn without its red&#xA;  Uncanny, estranged to our nature&#xA;  The light like lead&#xA;    Ripped in the dark&#xA;  A tiny sickle&#xA;  As small as cut by a surgical knife&#xA;    The suns last spark melts away&#xA;  Not unlike a dying wick&#xA;  Now stands disc on disc&#xA;  And crushes my heart&#xA;    All I really, really, really, really, really, really, really, really want to see&#xA;  Is a total eclipse of the sun&#xA;    All I really, really, really, really, really, really, really, really want to see&#xA;  Is a total eclipse of the sun&#xA;    &#39;Ah&#39; says everyone&#xA;  Just the birds are silent&#xA;  With surprise&#xA;    All I really, really, really, really, really, really, really, really want to see&#xA;  Is a total eclipse of the sun&#xA;&#xA;#Sonnenfinsternis #Sonne #Weltraum #Eklipse]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Anlässlich der heutigen partiellen Sonnenfinsternis die Erinnerung an eine totale: Liedtext des gleichnamigen Songs der Einstürzenden Neubauten aus dem Jahr 2000.</p>



<blockquote><p><strong>Total Eclipse of the Sun</strong></p>

<p>The beauty, tender glow extinguished
The sky dull from a breeze
Ghostly the dawn without its red
Uncanny, estranged to our nature
The light like lead</p>

<p>Ripped in the dark
A tiny sickle
As small as cut by a surgical knife</p>

<p>The suns last spark melts away
Not unlike a dying wick
Now stands disc on disc
And crushes my heart</p>

<p>All I really, really, really, really, really, really, really, really want to see
Is a total eclipse of the sun</p>

<p>All I really, really, really, really, really, really, really, really want to see
Is a total eclipse of the sun</p>

<p>&#39;Ah&#39; says everyone
Just the birds are silent
With surprise</p>

<p>All I really, really, really, really, really, really, really, really want to see
Is a total eclipse of the sun</p></blockquote>

<p><a href="https://zauberwerk.writeas.com/tag:Sonnenfinsternis" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Sonnenfinsternis</span></a> <a href="https://zauberwerk.writeas.com/tag:Sonne" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Sonne</span></a> <a href="https://zauberwerk.writeas.com/tag:Weltraum" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Weltraum</span></a> <a href="https://zauberwerk.writeas.com/tag:Eklipse" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Eklipse</span></a></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://zauberwerk.writeas.com/total-eclipse-of-the-sun</guid>
      <pubDate>Tue, 25 Oct 2022 14:45:52 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>990 Wiener Apfelgeheimnis</title>
      <link>https://zauberwerk.writeas.com/wiener-apfelgeheimnis?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[Schwer ist es, das Handwerk des Apfelstrudel - Backens! Man vergesse die Rezepte, die es in den Untiefen des Internets zu begaffen gibt: mehr Bild als Text, mehr Lifestyle als sinnvolle Belehrung. Meist Fake. Ob das derart Bebilderte verlässlich ist, bleibt immer fraglich.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Ich bin froh über das Standardwerk der Küche, das schon meine Grossmutter benutzt hat: ihre Erfahrung. Wie meinte sie immer wieder:  Es gehe um den Apfel und vor allem um den Teig und um das schöne Stück Butter! Dann hantierte sie mit einem kleinen Fläschchen Rum. Zum Abschmecken natürlich. Rezepte hatte sie keine, nur ihr “Gefühl” für Mengen.&#xA;&#xA;Nachmachen war die Lernmethode, unter dem gestrengen Blick der Gütigen.&#xA;&#xA;Hier einige Prinzipien:&#xA;&#xA;Zunächst: Guter Apfelstrudel ist ungesund nach den Kategorien des Lifestyles und des ewigen Lebens, das man anstrebt. Hände weg, ihr schönen, gesunden Menschen!&#xA;&#xA;Dann: Es sind nur gewisse Äpfel, die taugen. Entweder die Sorte, die im Jahreszklus als erste oder jene, die recht spät reif werden. Ja genau, diese beiden (säuerlichen) Apfelsorten! Was wiederum bedeutet: wirklich guten Apfelstrudel kann man/frau nicht das ganze Jahr über backen oder essen.&#xA;&#xA;Weiter: Der Teig. Selbstgemachter Strudelteig gelingt nur den Erfahrenen. Das Ölbad ist nicht zwingend, das Ei allerdings verboten. Und über den Tisch gezogen muss er auch noch werden, ohne zu reissen. Die darunter liegende Zeitung muss man lesen können, dann ist er richtig dünn. Gleichmässig rollen, natürlich!&#xA;&#xA;Fast schon Endspurt: Butter, ja viel Butter muss es sein. Fürs Bräunen der Semmelbrösel, für das Bestreichen des Teiges, das Ausfetten des Backbleches und das zärtliche Finish, wenn der Strudel fertig gebacken ist.&#xA;&#xA;Einwurf: Ein wenig Rum, ja; ein wenig Zimt, ja - aber beide bitte in Massen. Vorschmecken dürfen beide nicht.&#xA;&#xA;Und dann die richtigen Menschen finden, die verstehen, dass dazu auf KEINEN Fall Vaillesauce gegessen werden darf. Und dass Rosinen drinnen sein müssen. Dass man guten Kaffee dazu trinkt. Und dass man das zweite Stück NIEMALS verweigern darf.&#xA;&#xA;Das hat nichts zu tun mit Lokalkolorit sondern mit Können. Aus Zeiten, als das gute Leben noch Geniessen hiess. Backen können, geniessen können, Zeit haben. Savoir Vivre!&#xA;&#xA;#Früchte #Süsses #MiniEssay]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Schwer ist es, das Handwerk des Apfelstrudel – Backens! Man vergesse die Rezepte, die es in den Untiefen des Internets zu begaffen gibt: mehr Bild als Text, mehr Lifestyle als sinnvolle Belehrung. Meist Fake. Ob das derart Bebilderte verlässlich ist, bleibt immer fraglich.</p>



<p>Ich bin froh über das Standardwerk der Küche, das schon meine Grossmutter benutzt hat: ihre Erfahrung. Wie meinte sie immer wieder:  Es gehe um den Apfel und vor allem um den Teig und um das schöne Stück Butter! Dann hantierte sie mit einem kleinen Fläschchen Rum. Zum Abschmecken natürlich. Rezepte hatte sie keine, nur ihr “Gefühl” für Mengen.</p>

<p>Nachmachen war die Lernmethode, unter dem gestrengen Blick der Gütigen.</p>

<p>Hier einige Prinzipien:</p>

<p>Zunächst: Guter Apfelstrudel ist ungesund nach den Kategorien des Lifestyles und des ewigen Lebens, das man anstrebt. Hände weg, ihr schönen, gesunden Menschen!</p>

<p>Dann: Es sind nur gewisse Äpfel, die taugen. Entweder die Sorte, die im Jahreszklus als erste oder jene, die recht spät reif werden. Ja genau, diese beiden (säuerlichen) Apfelsorten! Was wiederum bedeutet: wirklich guten Apfelstrudel kann man/frau nicht das ganze Jahr über backen oder essen.</p>

<p>Weiter: Der Teig. Selbstgemachter Strudelteig gelingt nur den Erfahrenen. Das Ölbad ist nicht zwingend, das Ei allerdings verboten. Und über den Tisch gezogen muss er auch noch werden, ohne zu reissen. Die darunter liegende Zeitung muss man lesen können, dann ist er richtig dünn. Gleichmässig rollen, natürlich!</p>

<p>Fast schon Endspurt: Butter, ja viel Butter muss es sein. Fürs Bräunen der Semmelbrösel, für das Bestreichen des Teiges, das Ausfetten des Backbleches und das zärtliche Finish, wenn der Strudel fertig gebacken ist.</p>

<p>Einwurf: Ein wenig Rum, ja; ein wenig Zimt, ja – aber beide bitte in Massen. Vorschmecken dürfen beide nicht.</p>

<p>Und dann die richtigen Menschen finden, die verstehen, dass dazu auf KEINEN Fall Vaillesauce gegessen werden darf. Und dass Rosinen drinnen sein müssen. Dass man guten Kaffee dazu trinkt. Und dass man das zweite Stück NIEMALS verweigern darf.</p>

<p>Das hat nichts zu tun mit Lokalkolorit sondern mit Können. Aus Zeiten, als das gute Leben noch Geniessen hiess. Backen können, geniessen können, Zeit haben. Savoir Vivre!</p>

<p><a href="https://zauberwerk.writeas.com/tag:Fr%C3%BCchte" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Früchte</span></a> <a href="https://zauberwerk.writeas.com/tag:S%C3%BCsses" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Süsses</span></a> <a href="https://zauberwerk.writeas.com/tag:MiniEssay" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">MiniEssay</span></a></p>
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      <guid>https://zauberwerk.writeas.com/wiener-apfelgeheimnis</guid>
      <pubDate>Fri, 21 Oct 2022 12:51:13 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>991 Das Farbenspiel der Marmolada</title>
      <link>https://zauberwerk.writeas.com/das-farbenspiel-der-marmolada?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[Die Quitte ist eine bemerkenswerte Frucht. Schwer, knollig, pelzig und goldgelb hängt sie im Herbst in den Bäumen, duftet säuerlich und wird im Oktober reif. Äpfel und Birnen stehlen ihr zwar unter den KonsumentInnen die Show, aber das erträgt sie mit Gelassenheit. Denn sie ist ja was Besonderes: eine Künstlerin der Farbe, des Geruchs und des Geschmacks. Roh ist sie ungeniessbar, aber richtig zubereitet wird sie zur Königin des Genusses.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Die Quitte ist auch eine wichtige Akteurin bei der Vorbereitung meiner Weihnachtsgeschenke. Aus ihnen bereite ich Gelee und den traditionsreichen Quittenkäse nach dem Rezept meiner Grossmutter. Also habe ich auch dieses Jahr einen ganzen Korb voller Quitten vom Bauern mitgebracht, mindestens 4 Kilogramm müssten es sein. Riesig sind die Früchte in diesem Jahr geworden, leicht grau gepunktet sind sie.&#xA;&#xA;Die Reinigung und Vorbereitung der Früchte ist ein besonderer Vorgang. Denn so etwas wie ein dichter Pelz legt sich während des Wachsens um die goldgelbe Frucht, welchen sie erst während der Reife zu verlieren beginnt. Reste davon müssen zunächst vor dem Waschen mit den Fingern abgerubbelt werden: sonst wird das Produkt bitter. Beim Schneiden empfiehlt sich ein stabiles Messer und besondere Vorsicht; denn hart sind die Dinger, sie kommen in ihrer Widerspenstigkeit den Kürbissen um nichts nach. Widerstand setzen beim Schneiden nicht nur Haut und Fruchtfleisch entgegen, sondern insbesondere der dicht verholzte Kern. Doch keine Sorge wegen zähem Gefummel und Verletzungsgefahr: Quitten werden bei der Zubereitung von Gelee, Marmelade und &#34;Käse&#34; in Wasser weichgekocht und das mit Schale und Kern: das macht die gekochte Masse geschmackvoller.&#xA;&#xA;Das Fruchtfleisch der prachtvollen Früchtchen sind beim Aufschneiden manchmal von braunen Flecken durchzogen, der sogenannte &#34;Fleischbräune&#34;. Das deutet zwar auf schwierige Wachstumsbedingungen hin, ist aber beim Kochen nicht weiter schlimm. Wir verwenden auch dieses unansehnliche Fruchtfleisch, wobei wir jedoch prüfen, ob es sich tatsächlich nur um eine Braunfärbung handelt oder die Quitte schon faulig ist.&#xA;&#xA;Überhaupt: Angeschnittene Quitten bauen beim Kontakt mit der Luft schnell Pektin ab, das heisst sie färben sich braun und werden unansehnlich, aber nur um, wie ein Wunder, sich beim etwa 45 minütigen Kochen mit Zitronensaft wieder aufzuhellen. Doch damit ist des Farbenspiels kein Ende. Beim langsamen Garen nämlich tritt ein enzymatischer Prozess ein, der die Früchte von orange bis rot und purpurfarben werden lässt. Das fertige Produkt ist also in den meisten Fällen Rot.&#xA;&#xA;Der gute alte &#34;Quittenkäs&#34; ist ein, zwei Generationen lange in Vergessenheit geraten: sein Rezept hat sich aber von meiner Grossmutter zu mir über die Abgründe der industriellen Fertigung von Lebensmitteln retten können. Wie gut, denn die &#34;marmolada&#34; (portugiesisch: Quitte) ist die Urform der heutigen Marmeladen, entsprechende Rezepte sind seit römischer Zeit bekannt.&#xA;&#xA;Die gallertige Masse, die mit Zucker und/oder Honig langsam eingekocht wurde (ähnlich dem Powidl) wird zunächts im Dörrgerät und dann über mehrere Wochen an der Luft getrocknet. In Kristallzucker gewälzt, isst man sie gerne zu Käse - und daher kommt wohl auch der Name &#34;Quittenkäs&#34;.&#xA;&#xA;#Quitte #Früchte #MiniEssay]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Quitte ist eine bemerkenswerte Frucht. Schwer, knollig, pelzig und goldgelb hängt sie im Herbst in den Bäumen, duftet säuerlich und wird im Oktober reif. Äpfel und Birnen stehlen ihr zwar unter den KonsumentInnen die Show, aber das erträgt sie mit Gelassenheit. Denn sie ist ja was Besonderes: eine Künstlerin der Farbe, des Geruchs und des Geschmacks. Roh ist sie ungeniessbar, aber richtig zubereitet wird sie zur Königin des Genusses.</p>



<p>Die Quitte ist auch eine wichtige Akteurin bei der Vorbereitung meiner Weihnachtsgeschenke. Aus ihnen bereite ich Gelee und den traditionsreichen Quittenkäse nach dem Rezept meiner Grossmutter. Also habe ich auch dieses Jahr einen ganzen Korb voller Quitten vom Bauern mitgebracht, mindestens 4 Kilogramm müssten es sein. Riesig sind die Früchte in diesem Jahr geworden, leicht grau gepunktet sind sie.</p>

<p>Die Reinigung und Vorbereitung der Früchte ist ein besonderer Vorgang. Denn so etwas wie ein dichter Pelz legt sich während des Wachsens um die goldgelbe Frucht, welchen sie erst während der Reife zu verlieren beginnt. Reste davon müssen zunächst vor dem Waschen mit den Fingern abgerubbelt werden: sonst wird das Produkt bitter. Beim Schneiden empfiehlt sich ein stabiles Messer und besondere Vorsicht; denn hart sind die Dinger, sie kommen in ihrer Widerspenstigkeit den Kürbissen um nichts nach. Widerstand setzen beim Schneiden nicht nur Haut und Fruchtfleisch entgegen, sondern insbesondere der dicht verholzte Kern. Doch keine Sorge wegen zähem Gefummel und Verletzungsgefahr: Quitten werden bei der Zubereitung von Gelee, Marmelade und “Käse” in Wasser weichgekocht und das mit Schale und Kern: das macht die gekochte Masse geschmackvoller.</p>

<p>Das Fruchtfleisch der prachtvollen Früchtchen sind beim Aufschneiden manchmal von braunen Flecken durchzogen, der sogenannte “Fleischbräune”. Das deutet zwar auf schwierige Wachstumsbedingungen hin, ist aber beim Kochen nicht weiter schlimm. Wir verwenden auch dieses unansehnliche Fruchtfleisch, wobei wir jedoch prüfen, ob es sich tatsächlich nur um eine Braunfärbung handelt oder die Quitte schon faulig ist.</p>

<p>Überhaupt: Angeschnittene Quitten bauen beim Kontakt mit der Luft schnell Pektin ab, das heisst sie färben sich braun und werden unansehnlich, aber nur um, wie ein Wunder, sich beim etwa 45 minütigen Kochen mit Zitronensaft wieder aufzuhellen. Doch damit ist des Farbenspiels kein Ende. Beim langsamen Garen nämlich tritt ein enzymatischer Prozess ein, der die Früchte von orange bis rot und purpurfarben werden lässt. Das fertige Produkt ist also in den meisten Fällen Rot.</p>

<p>Der gute alte “Quittenkäs” ist ein, zwei Generationen lange in Vergessenheit geraten: sein Rezept hat sich aber von meiner Grossmutter zu mir über die Abgründe der industriellen Fertigung von Lebensmitteln retten können. Wie gut, denn die “marmolada” (portugiesisch: Quitte) ist die Urform der heutigen Marmeladen, entsprechende Rezepte sind seit römischer Zeit bekannt.</p>

<p>Die gallertige Masse, die mit Zucker und/oder Honig langsam eingekocht wurde (ähnlich dem Powidl) wird zunächts im Dörrgerät und dann über mehrere Wochen an der Luft getrocknet. In Kristallzucker gewälzt, isst man sie gerne zu Käse – und daher kommt wohl auch der Name “Quittenkäs”.</p>

<p><a href="https://zauberwerk.writeas.com/tag:Quitte" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Quitte</span></a> <a href="https://zauberwerk.writeas.com/tag:Fr%C3%BCchte" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Früchte</span></a> <a href="https://zauberwerk.writeas.com/tag:MiniEssay" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">MiniEssay</span></a></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://zauberwerk.writeas.com/das-farbenspiel-der-marmolada</guid>
      <pubDate>Sun, 16 Oct 2022 08:39:40 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>992 Die Tabus um die Kirsche </title>
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      <description>&lt;![CDATA[In der Kindheit, dieser Berg an Kirschen, der vor mir in einem geflochtenen Körbchen lag! Unerlaubt (in mehrfacher Hinsicht) habe ich ihn gierig  verzehrt. Der Tabus waren ungeachtet dessen viele.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Erstens: &#34;Ungewaschen&#34;, das war mir aufgetragen worden, &#34;isst man Obst niemals!&#34; Omas mangelnde Gesundheit sei der Beweis. Sie sei einst wegen des Genusses ungewaschener Marillen mit einem Darmverschluss ins Spital eingeliefert und dort operiert worden. An den Folgen der Operation laboriere sie noch immer. Also, vernünftig sein und das Verbot beachten. Ich wunderte mich schon damals, in den umweltnaiven Sechzigerjahren, warum man Gift auf Lebensmittel sprühte.&#xA;&#xA;Zweitens: Kerne seien auszuspucken und nicht runterzuschlucken! Auch dies verursache den berühmt - berüchtigten Verschluss des Darmes oder zumindet einen &#34;Blinddarm&#34;. Von der Entzündung desselben bin ich 67 Jahre verschont geblieben. Trotzdem erinnere ich mich bis heute an die Drohung, welche bis heute an Schrecken nur wenig verloren hat. Geschluckt hab ich die Kerne (als Kind) trotzdem. Einfach so, um auszuprobieren, wie sich das anfühlte.&#xA;&#xA;Drittens: Die ausgespuckten Kirschenkerne seien in die halb geöffneten Faust zu spucken und dann in einer Schale abzulegen. Die Urgrossmutter konnte dies mit Bravour vollbringen, ich hingegen fand diese Prozedur aufwendig und deshalb schlicht inpraktikabel. Ich spukte die Kerne deshalb so gerne aus dem Fenster. Aus den Augen, aus dem Sinn! Es gab Beschwerden, oft von alten Frauen. Und Ohrfeigen, von anderen alten Frauen.&#xA;&#xA;Viertens: Immer um Erlaubnis bitten, wenn man sich an den verführerisch roten Früchtekorb heranmachen wollte. Das war Hausgesetz. Es konnte ja sein, dass es die besonders schönen Herzkirschen waren, die da das Begehren nährten. Diese waren nämlich ausschliesslich (sic!) für den Kirschengeist vorgesehen, den die Mutter für die Winterzeit vorbereitete. Die Kirschen lagen dann Monate in einem Glasballon und reiften zusammen mit dem Ansetzkorn Sommer und Herbst vor sich hin. Nicht einmal daran denken! Alkohol ist Gift für das Kind!&#xA;&#xA;Fünftens: Noch eine weitere Kirschensorte war mit striktem Essverbot belegt: die Vogelkirsche. Sie verursache Erbrechen, mit hoher Wahrscheinlichkeit.  Doch in Flur und Feld lockten diese wildwachsenden Kirschen im satten Grün der Baumkronen. Sie zu erklettern war ein zusätzliches Vergnügen. Sie schmeckten bitter und das verstärkte die Lust, etwas Verbotenes getan zu haben.&#xA;&#xA;Ach, bittere Kindheit!&#xA;&#xA;Doch nicht nur Tabu, sondern natürlich auch Zauber umgab die Kirsche. Die Köchinnen im Haus betrieben ihr geheimnisumwobenes Hexenwerk und so wurde Marmelade daraus gemacht, Herzkirschen in hochprozentigem Korn mit Vanillestangen eingelegt, Kompott zubereitet und Kirschenkuchen gebacken. Auch die ungeliebten Kirschenkerne kamen letzten Endes zu ihrem Recht. Sie wurden gewaschen, auf Zeitungspapier ausgelegt und getrocknet: zuerst an der Luft, dann im geöffneten Ofenrohr, dann in Leinensäckchen eingenäht. Erwärmt waren Kirschensteinsäckchen dann wunderbare Wärmespender, die man sich zu Heilungszwecken an den Körper legte.&#xA;&#xA;Ach, die Hexen meiner Kindheit!&#xA;&#xA;---&#xA;&#xA;#Kirschen #Früchte #Tabus]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>In der Kindheit, dieser Berg an Kirschen, der vor mir in einem geflochtenen Körbchen lag! Unerlaubt (in mehrfacher Hinsicht) habe ich ihn gierig  verzehrt. Der Tabus waren ungeachtet dessen viele.</p>



<p><strong>Erstens:</strong> “Ungewaschen”, das war mir aufgetragen worden, “isst man Obst niemals!” Omas mangelnde Gesundheit sei der Beweis. Sie sei einst wegen des Genusses ungewaschener Marillen mit einem Darmverschluss ins Spital eingeliefert und dort operiert worden. An den Folgen der Operation laboriere sie noch immer. Also, vernünftig sein und das Verbot beachten. Ich wunderte mich schon damals, in den umweltnaiven Sechzigerjahren, warum man Gift auf Lebensmittel sprühte.</p>

<p><strong>Zweitens:</strong> Kerne seien auszuspucken und nicht runterzuschlucken! Auch dies verursache den berühmt – berüchtigten Verschluss des Darmes oder zumindet einen “Blinddarm”. Von der Entzündung desselben bin ich 67 Jahre verschont geblieben. Trotzdem erinnere ich mich bis heute an die Drohung, welche bis heute an Schrecken nur wenig verloren hat. Geschluckt hab ich die Kerne (als Kind) trotzdem. Einfach so, um auszuprobieren, wie sich das anfühlte.</p>

<p><strong>Drittens:</strong> Die ausgespuckten Kirschenkerne seien in die halb geöffneten Faust zu spucken und dann in einer Schale abzulegen. Die Urgrossmutter konnte dies mit Bravour vollbringen, ich hingegen fand diese Prozedur aufwendig und deshalb schlicht inpraktikabel. Ich spukte die Kerne deshalb so gerne aus dem Fenster. Aus den Augen, aus dem Sinn! Es gab Beschwerden, oft von alten Frauen. Und Ohrfeigen, von anderen alten Frauen.</p>

<p><strong>Viertens:</strong> Immer um Erlaubnis bitten, wenn man sich an den verführerisch roten Früchtekorb heranmachen wollte. Das war Hausgesetz. Es konnte ja sein, dass es die besonders schönen Herzkirschen waren, die da das Begehren nährten. Diese waren nämlich <em>ausschliesslich</em> (sic!) für den Kirschengeist vorgesehen, den die Mutter für die Winterzeit vorbereitete. Die Kirschen lagen dann Monate in einem Glasballon und reiften zusammen mit dem Ansetzkorn Sommer und Herbst vor sich hin. Nicht einmal daran denken! Alkohol ist Gift für das Kind!</p>

<p><strong>Fünftens:</strong> Noch eine weitere Kirschensorte war mit striktem Essverbot belegt: die Vogelkirsche. Sie verursache Erbrechen, mit hoher Wahrscheinlichkeit.  Doch in Flur und Feld lockten diese wildwachsenden Kirschen im satten Grün der Baumkronen. Sie zu erklettern war ein zusätzliches Vergnügen. Sie schmeckten bitter und das verstärkte die Lust, etwas Verbotenes getan zu haben.</p>

<p>Ach, bittere Kindheit!</p>

<p>Doch nicht nur Tabu, sondern natürlich auch Zauber umgab die Kirsche. Die Köchinnen im Haus betrieben ihr geheimnisumwobenes Hexenwerk und so wurde Marmelade daraus gemacht, Herzkirschen in hochprozentigem Korn mit Vanillestangen eingelegt, Kompott zubereitet und Kirschenkuchen gebacken. Auch die ungeliebten Kirschenkerne kamen letzten Endes zu ihrem Recht. Sie wurden gewaschen, auf Zeitungspapier ausgelegt und getrocknet: zuerst an der Luft, dann im geöffneten Ofenrohr, dann in Leinensäckchen eingenäht. Erwärmt waren Kirschensteinsäckchen dann wunderbare Wärmespender, die man sich zu Heilungszwecken an den Körper legte.</p>

<p>Ach, die Hexen meiner Kindheit!</p>

<hr/>

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      <pubDate>Sat, 18 Jun 2022 15:02:45 +0000</pubDate>
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